Gay Games Memorial Wanderung

5. August 2022 / Allgemein, Sport
Gay Games Memorial Wanderung

Am 31. Juli im Jahre 2010 begannen die Gay Games VIII in Köln und viele Tausend Menschen kamen, um gemeinsam Sport zu treiben. In diesem Geiste stand die Gay Games Memorial Wanderung: Diesmal sind 18 km Strecke mit 500 Höhenmetern zu meistern, also nichts für Fußfaule und Gelegenheitswanderer*innen.

Startpunkt ist der beschauliche Ort Niederdollendorf, der an einem Sonntagmorgen den Charme einer aufgegeben Goldgräberstadt versprüht. Wer nicht genug Nahrung eingepackt hat, wird hier auch nichts mehr bekommen. Mit 11 Personen brechen wir auf, lassen Häuser und Asphalt hinter uns und verschwinden im Wald. Nach einer Stunde holt uns eine junge Frau ein, verspätet am Treffpunkt erschienen, die uns mit schnellen Schritten und einer Abkürzung eingeholt hat. Respektvolles Raunen unter den anderen Wandernden, die zum Teil schon mit Schweiß und Tränen ringen.

Wir gelangen an zahlreiche Schluchten im Wald, die man nicht betreten, aber anschauen darf. Wer mag ermessen, was die Schluchten schon alles durchmachen mussten. So geht es weiter über Obstwiesen und durch den Wald, bis wir eine Stelle mit schroffen Felswänden finden, die mehr nach Grand Canyon aussieht als nach Königswinter. Welche Kräfte mochten diese Felsen geformt haben? Ehrfürchtiges Staunen angesichts der Gewalten der Natur. Bis die Reiseleitung lapidar ein Schild vorliest, dass hier von Menschenhand der Stein Basalt abgebaut wurde, vornehmlich um Kirchen daraus zu bauen. Eine gewisse Enttäuschung greift um sich und man zieht weiter.

Schroffe Felsformation in Königswinter
Wir kommen an einer Schänke vorbei, die von Spaziergänger*innen und Radfahrer*innen belagert wird. Hier könnte man nun Wasser und Nahrungsmittel auffüllen, aber niemand will sich die Blöße geben, nach einem Viertel der Strecke eine Stärkung zu brauchen. Was sich später rächen wird.

Luftfeuchtigkeit und Temperatur beginnen lästig zu werden. Die Reiseleitung überlegt, ob zwei Tage Volleyball bei den EuroGames die richtige Vorbereitung für diese Tour waren. Der Ölberg, der höchste Gipfel des Siebengebirges, kommt in Sicht und die Gruppe beschließt, diesen zu besteigen. Eine letzte Anstrengung, ein letztes Mal nach Luft ringen und wir sind oben. Prächtige Aussicht bis nach Köln, ein leichter Wind, aus dem Restaurant weht der Geruch nach Kroketten und Braten herüber. Wir essen Gemüse und Schokokekse.

Es geht weiter Richtung Petersberg. Auf dem Weg treffen wir auf die Burgruine Rosenau, wo uns ein Schild unmissverständlich vor „Lebensgefahr“ warnt. Wilde Tiere? Steinschlag? Mordlüsterne Geister? Sofort teilen wir uns auf und erkunden die Ruine und ihre Umgebung, finden aber nur ein tiefes Loch und Blumen.

Wir waren gewarnt worden: Lebensgefahr

Wir bemerken, dass zwei Personen aus der Gruppe fehlen. Die Reiseleitung macht sich bittere Vorwürfe, das Schild „Lebensgefahr“ nicht ernst genommen zu haben. Dann eine Nachricht der Verlorenen: Sie wähnten sich vor uns, waren aber hinter uns, haben lange auf uns gewartet und sind dann falsch abgebogen. Sie würden nun versuchen, sind zum nächsten Badesee durchzuschlagen. Wir wünschen viel Glück und ein erfülltes Leben und steigen auf den Petersberg.

Hier steht ein nobles Hotel mit herrlichem Ausblick und zahlreichen Annehmlichkeiten wie Sauna, Schwimmbad und eigenem Biergarten. Hier logierten schon Königin Elisabeth und Bill Clinton. Wir hissen die Janus-Flagge und nehmen den Berg in unseren Besitz. Im Biergarten sollen wir dennoch für Speisen und Getränke bezahlen. Wir ziehen weiter. So macht sich nun der Hunger in der Gruppe breit, schließlich sind wir seit 4 Stunden unterwegs. In der Not pflücken wir Brombeeren von den Hecken am Wegesrand, was das Weiterkommen merklich verzögert.

Das gehört nun uns.

Die Reiseleitung lockt mit dem Besuch einer Eisdiele in Niederdollendorf. Prompt werden die Schritte schneller und schon bald ist die Zivilisation erreicht. Wir verlieren erneut zwei Personen, die sich im Gewirr der Gassen anscheinend verlaufen haben. Die Reiseleitung denkt darüber nach, bei der nächsten Tour GPS-Halsbänder zu verteilen, als die beiden vor uns auftauchen. Die Gruppe trennt sich in jene, die das Endspiel der Europameisterschaft sehen wollen, und jene, die jetzt nur noch Eis wollen. Wir stürmen das Eiscafe, nehmen alle freien Stühle weg und bestellen Spagetti-Eis in diversen Mengen und Variationen.

Beim Schlürfen von Erdbeer und Vanille denken wir dankbar an die Wanderung und an die Gay Games 2010 zurück.

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